Gestern war ich den ganzen Tag fest in deutscher Hand, äh, unter deutschem Einfluss. Und habe wieder etwas dazugelernt. Manch einer wird sich jetzt winden, aber ich gehörte noch nie zu den Leuten, die statt Arschloch Hintern sagen. Ich finde, ein Arschloch darf auch so genannt werden, und wenn etwas Scheiße ist, dann kann man das ruhig auch so sagen. Was soll die dämliche Umschreiberei, wenn jeder weiß, was eigentlich gemeint ist. Es ist doch viel befreiender, die Dinge gleich beim Namen zu nennen.
Das sagt jetzt aber überhaupt nichts über unseren gestrigen Tag aus, denn der war wunderschön. Erst waren Lydia und ich mit Kirsten und Nele am Strand, mehrere Stunden lang, war ja Sonntag, und ich hatte eine richtig tolle Zeit und fühlte mich, als hätte ich Urlaub. Kirsten und Nele waren auch so lieb, uns schöne Sachen aus Deutschland mitzubringen, vor allem habe ich neben der “bestellten” Sigg-Flasche für Lydia ein Überraschungsgeschenk dazu bekommen, und zwar meinen geliebten Kleehonig – darüber habe ich mich königlich gefreut. Ich sag ja, ich freu mich über die kleinen Dinge am meisten.
Als wir diesen Sonntag morgens aufstanden kam Lydia strahlend zu mir, umarmte mich und sagte, Mama wie schön, heute haben wir den ganzen Tag Zeit füreinander. Und Kirsten merkte irgendwann an, dass dieses Kind “immer strahlen würde”. Also kann ich ja noch nicht alles falsch gemacht haben.
Und damit käme ich auch zum Thema Arschloch, denn am heutigen Montag war die Stimmung im Hotel so aufgeheizt, dass ich schon wieder um meinen freien Sonntag gefürchtet habe. Auch ohne den sind wir natürlich unterbesetzt, wie immer. Jeder ist gestresst und es herrscht eine Stimmung wie “jeder gegen jeden”. Wie jemand erwarten kann, damit auch noch gute Geschäfte machen zu können ist mir ein Rätsel, aber ich habe schon lange aufgehört, jemandem mein Knowhow beibringen zu wollen, wenn er es nicht wissen will. Also arbeite ich da jetzt meine letzten 10,5 Wochen noch ab und das wär’s dann gewesen, das weiß mein Chef auch, denn auch dabei nehme ich kein Blatt vor den Mund. Dafür hat er mir für nächstes Jahr ein Alternativ-Angebot gemacht, das ich von zuhause aus erledigen kann, und das ist durchaus erwägenswert. Aber dazu mehr, wenn die Zeit dafür reif ist.
Heute war ich ja mal wieder kurz davor, schnurstracks rauszumarschieren. Ich habe einen wirklich üblen Kollegen, der schon mehrmals so fies zu mir war, dass ich meinem Chef heute sagte, wenn der noch einmal so mit mir redet bin ich weg, und zwar sofort.
Aber auch anderes ist nur schwer erträglich. Den halben Tag sitze ich mit aufgestelltem Nackenhaar in der Rezeption und möchte am liebsten in die Tischkante beißen. Meine Kollegin, Kampflesbe Nummer eins, wir haben derer nämlich zwei, hat die Putzfrau der unteren Etage zu ihrer persönlichen Sklavin gemacht – da geht es den ganzen Tag, Anna hier, Anna da, mach dies, mach jenes, so dass sie kaum noch zum Zimmer putzen kommt, und wenn dann zwischendurch nach ihr gepfiffen wird, als wäre sie ein Hund, finde ich es besonders schlimm. Kein Wunder, dass der Chef am Anfang immer zur Kampflesbe gesagt hat – er musste es mehrmals betonen -, er sei der Chef. Ich hatte mich schon gewundert, denn mir gegenüber hat er sowas noch nie gesagt. Wenn sie mich rumkommandieren könnte, würde sie es sicher tun, das traut sie sich aber dann doch nicht, aber man merkt, dass sie unterschwellig aggressiv ist und mir das Leben schwer zu machen versucht. Ihr glaubt gar nicht, mit was für einem Scheiß (da! ist es wieder) ich mich teilweise herumschlagen muss.
ZUM BEISPIEL, wo ich grad dabei bin, habe ich ihr Vordrucke fürs Frühstück gebastelt, die ich in A-6-Größe geschnitten und der Cafeteria zur Verfügung gestellt habe (das ist dafür da, um die Rezeption zu informieren, welche Zimmer Frühstück einnehmen, damit sie diese ggf. in Rechnung stellen kann). Irgendwie waren ihr die Vordrucke aber zu klein, so dass sie den ganzen Haufen weggeworfen hat, nachdem ich ihr gesagt habe, sie solle die erstmal aufbrauchen und dann würde ich andere herstellen. Daraufhin habe ich gestreikt, denn ich sehe nicht ein, dass man Papier und Tinte einfach so verschwendet, und ich brauche keine Beschäftigungstherapie. Und was bekomme ich jetzt? Ausgerissene A-6-große Ringbuchblätter mit Schmierereien. Außer, dass es jetzt viel unordentlicher ist, verstehe ich den Unterschied nicht.
Apropos Beschäftigungstherapie, da ich ja auch sonst nix zu tun habe durfte ich heute Sherlock Holmes spielen. Ein deutscher Gast kam zu mir und wollte, dass ich für ihn die Telefonnummer eines Hotels auf Koufounisi herausfand, denn er glaubte, dass er seinen Pass dort vergessen hätte. Google macht es möglich, also rief ich auch gleich für ihn dort an. Die gute Dame war aber sicher, seinen Pass nicht einbehalten zu haben. Worauf er kurz darauf auf die Idee kam, ich möge doch auf Amorgos nach einer Pension suchen, deren Besitzer Dimitris heißt und Deutsch spricht. Google gab das wiederum nicht her, also baute ich auf die Hilfsbereitschaft der Griechen und rief einfach irgendwo an, ob sie eine Pension namens Dimitris kennen würden oder eine Pension mit einem Eigentümer namens Dimitris. Da das ein nicht gerade seltener Name in Griechenland ist, bekam ich dann bereitwillig sehr viele Telefonnummern. Als der ungefähr fünfte Mann etwas unwirsch antwortete, ob er womöglich auch noch Chinesisch können sollte, hatte ich dann auch keine Lust mehr. Service hin oder her, es gibt Grenzen für alles. Danach gab ich dem guten Mann die Nummer von Aegean Airlines, damit er herausfinden konnte, ob er ohne Pass nach Hause fliegen konnte.
Aber ich habe über dem ganzen Scheiß bei der Arbeit ganz vergessen zu sagen, wie ich überhaupt auf den Titel gekommen bin. Denn Sonntag Abend waren wir noch sehr nett mit etwa 10 Deutschen essen, es wurde ein lustiger, feuchtfröhlicher Abend, und dabei habe ich halt mein neues Vokabular gelernt. PISSE-KACKE-ARSCHLOCH. Richtig befreiend ist das, und hilft, Tage wie diesen zu überleben.









hi martina, ich glaube, es ist schwer nach zu vollziehen, wie ein arbeiten in GR wirklich ist. nachdem ich mich mit meinem schweren durchfall einen tag spaeter wieder zum dienst zurueckmelde, musste ich doch von 15:00 – 01:00 (spaetanreise) arbeiten. trotz kreislaufprobleme bei der hitze, kaum was gegessen und getrunken. am naechsten tag komme ich wieder zur rezeption und mein kollege sagt nur: jassou. punkt. kein – wie geht es dir? – oder so aehnlich. ich bloede kuh, waere ich doch nur 3 tage zu hause geblieben. die lassen einen todkrank 10 stunden arbeiten und keiner fragt, wie es einem geht.
heute komm ich und da liegt eine grosse alte schwere maus am pc. ich: huch, was ist das denn? na, die andere geht nicht mehr und stell dir vor, eine !!! stunde musste ich nach dieser maus suchen und konnte gar nichts am pc machen. ICH nehme das fensterputzmittel und fahr einmal ueber das pad und die maus (funkmaus) und siehe da, es funktioniert. vielleicht ist es hier ein wenig staubig und sandig, direkt am strand !!? genau 30 sekunden hat es gedauert. mit dem kopfschuetteln komm ich schon gar nicht mehr hinterher.
zudem sind hier an der rezeption alle verfuegbaren fenster und tueren offen, damit ja auch die ganze hitze reinkommt und sich schoen aufstaut bis ich um 16 uhr komme. auf meine frage hin, ob es hier nicht heiss waere, sagt er nein, er braucht keine klimaanlage. danke fuer das gespraech. nennt man das nicht egoismus? oder seh ich da was falsch. er geht dann anschliessend in sein schoen gekuehltes zimmer und ich sitze hier schweissgebadet bei guten 35 grad oder mehr, da es nun gut eine stunde braucht, bis die klimaanlage diesen grossen raum runterkuehlt.
alles nicht so einfach und schade, dass man nicht als team arbeiten kann, sondern eigentlich nur gegeneinander kaempft und seine machtspielchen ausuebt.
und unser verhaeltnis hier wird auch von tag zu tag unangenehmer. mir platzt auch irgendwann der kragen und ich geh (hab ich schon mal gesagt).
wenn ich heut noch zeit hab, schreib ich die story von einem nur franzoesisch sprechendem paar und einer wassermelone.
Liebe Hanne,
heute hat meine zehnte Woche rückwärts begonnen und ich hoffe, ich halte durch. Manchmal ist es sehr schwer. Ich kann einfach “keine Menschen mehr ertragen”… es gibt so viele unangenehme Leute und die geballte Ladung täglich macht mich fertig. Zusätzlich dazu der Stress durch die Personalquerelen. Ohne meinen freien Sonntag, den mein Chef mir schon wieder ausreden wollte, aber ich bin nicht darauf eingegangen, würde ich die Saison nicht schaffen. Als ich krank war übrigens hat sich eigentlich nur unser “Sklave”, der Pakistani, dafür interessiert, wie es mir ging. Die Geschichte mit der Wassermelone möchte ich natürlich bitte gern hören!!!
LG, halte durch!
Ich kenne nur “ArschlochWixerHurensohn”, aber Deins ist auch super!
Und fast noch gesellschaftsfähig. Werde ich mir merken! ; )