Gestern Morgen wurde es gleich ernst, kaum dass ich in die Rezeption gestolpert war; zum Glück hatte ich bereits gefrühstückt und war gestärkt für alles, was auf mich zukommen sollte.
Eine junge Norwegerin kam weinend zu mir, ob es denn hier ein Krankenhaus gäbe und wie groß es wäre. Um keine Zeit mit überflüssigen Erklärungen zu der Größe und den Möglichkeiten unseres Krankenhauses zu verschwenden kam ich gleich zum Punkt, fragte sie, was denn los wäre und entschied dann, dass ein Krankenwagen geholt werden müsse, nachdem ich mit meinen Kolleginnen einig geworden war, dass wir die Schwester, die mit Verdacht auf Blinddarm (Laien-Eindruck) zitternd und frierend im Bett lag, unmöglich selbst transportieren könnten, auch wenn es nur 400 Meter sind.
Ich hatte natürlich unser Feuer letztes Jahr in Erinnerung, wo der Krankenwagen, obwohl es damals wirklich ernst war, erst nach ca. 1,5 Stunden, viel zu spät wohlgemerkt, eintraf.
Also rief ich das Krankenhaus an und bekam die Instruktion, die Nummer 60029 anzurufen. Was ich auch tat, mit und ohne Vorwahl und für den Fall, dass ich den guten Mann missverstanden hatte, probierte ich auch die Version 629, ebenfalls mit oder ohne Vorwahl. Ich bekam allerdings keinen Krankenwagen. Ich rief ihn wieder an, worauf er mir meine bereits ausprobierten Versionen vorschlug. Diese hätte ich bereits ausprobiert, sagte ich, also bat er mich, ihn doch bitte in einer Minute nochmal anzurufen.
Eine Minute kann lang sein. Nach der Minute rief ich also nochmals an und er sagte, er würde mich verbinden. Als sich nach 3 Minuten in der Leitung wiederum gar nichts tat, legte ich auf und rief nochmals an. Darauf sagte er mir, ich möge doch bitte die Nummer 22843.60000 anrufen. Da tat sich sogar tatsächlich was und unglaublich schnell war sogar der Krankenwagen da.
Später meinte ich, schon wieder ein Déjà vu zu haben, als die Französin wieder durch die Tür marschierte, die mich doch neulich mit ihrem Finger im Ohr so beglückt hatte und die ich fast zum Tierarzt gefahren hätte. Das Problem scheint inzwischen bereinigt – oder das Ohr gereinigt? – zu sein, da ihr Finger diesmal tatsächlich nicht einmal zum Ohr wanderte. Ich habe 5 Tage Zeit, um das zu überprüfen, da sie bis Donnerstag zu bleiben vorhat.
Und als ich später die Sanitäterin vom Krankenwagen im Gemüseladen traf, bekam ich die Diagnose und weiteren Entwicklungen brühwarm aufgetischt – das Mädel würde mit Verdacht auf Blinddarm nach Syros ins Krankenhaus transportiert, aber wahrscheinlich könnte man das Problem ohne OP mit Antibiotika in den Griff bekommen. Wobei ich dachte – ist das nicht eigentlich “vertraulich”, oder gehöre ich zum Kreis der Auserwählten, weil ich den Krankenwagen gerufen habe?
Na ja. Jedenfalls wisst ihr jetzt den Grund, warum ich hier auf Paros niemals eine Gruppentherapie machen würde. Da sitzt man dann womöglich seinem Bankberater, dem Gemüsehändler und der Friseurin gegenüber – und dann?!
Ich wünsche euch auf jeden Fall für heute einen schönen Tag, wir werden uns gleich zum Strand verabschieden. Wer es sich antun muss, der schaue ruhig Fußball – ich als Deutschengländerin kann ja nur gewinnen!









Hi Martina,
endlich muss ich mal nicht neidisch sein auf deinen Strandtag, denn am Samstag waren Andreas und ich allein (!!!) in Duhnen am Strand, bei blitzeblauem Himmel. Das war herrlich. Tim ist derweil mit Oma und Opa auf Rügen in Sachen Radtour unterwegs und du kannst dir vorstellen, dass er uns nur ein ganz kleines bisschen vermisst
Ich wünsche dir und Lydia eine schöne Woche,
liebe Grüße, Ilka