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Schreckensforscher

Ich dachte ja immer, Kleider machen Leute. Anscheinend aber auch Namen. Wie sonst käme ein “Panikforscher” – ich höre zum ersten Mal davon -, ein gewisser Professor Schreckensberg, zu diesem Beruf? Seit ich gestern von der Tragödie der Loveparade hörte und diesen Mann, der passender Weise sogar einem Stephen-King-Roman entsprungen sein könnte, das erste Mal sah, verwischten sich sein Beruf und sein Name in meinem Hirn – siehe Titel. Na ja und genützt hat er nichts. Von stichhaltig geprüfter Sicherheit sprach er. Von ihm für geprüft und gut befunden.

“Dass „Menschen von oben herunterfallen”, sei überhaupt nicht in dem Sicherheitsplan vorgesehen gewesen.”

Tja, Menschen aber auch. Ein Faktor, mit dem sich nicht wirklich rechnen lässt.

Ich finde, das könnte man zum Unsatz des Jahres wählen. Mein ganzes Mitgefühl gilt den Angehörigen, die ihre Lieben so sinnlos verloren haben.

Taub und heimatlos

Das war einfach zu viel für mich, da konnte ich nicht nein sagen, als man mich fragte, ob ich dem armen Kater zumindest einen Übergangsplatz bieten könnte – siehe weiter unten, mit dabei auch ein paar andere Katzen, die ein Zuhause suchen!

Und bevor ich jetzt, trotz Ganzkörpereinsprühung mit Autan (ich hab’s mir sogar in die Haare geschmiert!), komplett von Mücken zerstochen werde, poste ich das hier schnell und gehe in Richtung Bett! Meine Sklaventreiberin schläft schon selig, nachdem sie den ganzen Tag mit ihrer Freundin am Strand war, so dass ich schön arbeiten, aufräumen und putzen konnte (wir haben noch 3 weitere Monate schönes Wetter, das war jetzt also nicht so schlimm).

Gute Nacht!

————————————–
Diese Katzen suchen ein neues Zuhause (aktueller Stand 26.07.2010) BZW. Flugpaten nach Deutschland (Frankfurt/Main oder Stuttgart)

Nachgefügter Zusatz: ***Diese Katzen befinden sich zur Zeit alle auf Paros, Kykladen, Griechenland.***

Diesen weißen, einjährigen und wunderschönen, aber tauben Kater habe ich heute (13.06.10) als Notfall aufgenommen, da seine Besitzer von jetzt auf gleich aus ihrer Wohnung raus mussten und leider plötzlich und unerwartet in ihre Heimat (USA) zurückkehren müssen. Ich fungiere nur als Übergangslösung!

Wunderschöner weißer Kater sucht ein neues Zuhause!

Wunderschöner weißer Kater sucht ein neues Zuhause!

Unser “Blacky” ist lieb und süß und frech und bräuchte auch ein neues, richtiges Zuhause (wir ziehen demnächst um und können nicht 8 ! Katzen mitnehmen!):

Und nein, wir waren das nicht, er hat sich selbst in den Müllcontainer gesetzt!

Und nein, wir waren das nicht, er hat sich selbst in den Müllcontainer gesetzt!

Puma ist auch ein wunderschöner, stolzer Kater, sehr lieb aber geht unter in der Masse unserer Katzen – er bräuchte etwas mehr Zuwendung als er bei uns bekommen kann!

Ein wunderschönes, stolzes Tier, ursprünglich aus Naxos und von mir, weil ein Notfall, adoptiert

Ein wunderschönes, stolzes Tier, ursprünglich aus Naxos und von mir, weil ein Notfall, adoptiert

Und noch eins von Puma

Und noch eins von Puma

Als Nachfolgerin unserer Mona Lisa, die leider vor zwei Monaten von einem Auto überfahren wurde, und die wir sehr betrauert haben (Lydia sogar immer noch), kam Nelson in unsere Familie, ein getigerter, äußerst lieber, sanfter Kater mit nur einem Auge, der auch sehr an seinen eigenen Dosenöffnern interessiert wäre:

Nelson, ein sanfter Kater mit nur 1 Auge

Nelson, ein sanfter Kater mit nur 1 Auge

Bei Interesse bitte emailen!

Ein paar wenige Fotos

aus der letzten Zeit. Wenn ich nicht mehr fotografiere, dann… na ja dann wisst ihr ja, das ist die stressigste Zeit für mich.

Die Marina am Abend

Die Marina am Abend

Nochmal das gleiche ;-)

Nochmal das gleiche ;-)

Da geh ich gleich hin

Da geh ich gleich hin

Da schläft jemand selig...

Da schläft jemand selig...

Und da chillt jemand selig

Und da chillt jemand selig

Der Hafen mit dem Highspeed von Krotiri aus gesehen

Der Hafen mit dem Highspeed von Krotiri aus gesehen

Die Bucht von Parikia in der Abenddämmerung

Die Bucht von Parikia in der Abenddämmerung

“Alt”

Ich beginne zu verstehen, was Midlife Crisis bedeutet.

Ich schaue in den Spiegel, er ist unerbittlich und zeigt mir unwillkommene Fältchen am Hals, wenn ich den Kopf drehe. Die Haut ist nicht mehr jugendlich frisch, sie knittert. Scheiße. Ich war grad noch jung, und jetzt? Ist das für immer vorbei? Ich bin weder Fisch noch Fleisch. Darf ich mich noch jung fühlen? Bin ich noch attraktiv? Was darf ich anziehen, ohne dass es lächerlich wirkt? Sieht man meine weißen Haare schon zu deutlich, oder muss ich schon nachfärben?

Da sind Männer da draußen, junge, attraktive, plötzlich fallen sie mir auf, dabei hätte ich früher jemanden im Alter von 28 nicht mal bemerkt. Jetzt bewundere ich ihre stählerne Jugendlichkeit, ihre Frische; eine gewisse, verbotene Anziehungskraft ist da. Ich bekomme Sehnsucht. Noch einmal jung sein, mit dem Wissen von heute, das wär doch was. Habe ich was verpasst? Ich grüble und komme zu dem Ergebnis: eigentlich nicht. Ich glaube, ich habe nichts ausgelassen.

Ich verstehe Frauen, die mit über 40 noch einmal ein Kind bekommen. Nicht, dass ihr jetzt Angst bekommt, ich würde mir das nochmal antun, aber ich kann es nachvollziehen. “Ich bin gebärfähig. Das heißt, ich bin jung.” Und vielleicht glauben ja auch manche, ein Säugling im Haus würde ein Bisschen Jungsein abfärben lassen, aber ich weiß, mich würden durchwachte Nächte um mindestens 10 Jahre altern lassen. Das tu ich mir nicht an, ganz gewiss nicht.

Aber ich verstehe es. Ich gehe jetzt in die Stadt. Mir einen neuen Nagellack kaufen, und ein neues Kleidungsstück.

Ich rieche, also bin ich

Nicht riechen zu können ist für mich eins der unangenehmsten Symptome einer Erkältung. Ich bin dann völlig orientierungslos und merke, wie ich mich sonst unbewusst auf dieses Sinnesorgan verlasse. Ich rieche, ob die Milch noch gut ist. Wie das Wetter wird, ob es regnen oder heiß wird. Blumen oder andere Düfte bescheren mir schöne Momente oder erinnern mich an solche, was mein Leben wiederum dreidimensional macht; überhaupt ist Griechenland ein Geruchsparadies. Ob ich für ein paar Tage Essen schmecke oder nicht ist dagegen weniger wichtig, denn das kommt zumindest meiner Linie zugute – wenn ich nichts schmecke, esse ich weniger. Aber am allerschlimmsten finde ich es, wenn ich mein Kind nicht riechen kann. Als Lydia ein Baby war, liebte ich ihre Käsefüßchen, und die nicht mehr riechen können war die (umgekehrte) Krönung der Erkältung. Es ist, als wäre da eine unsichtbare Wand zwischen mir und meinem Kind. Schrecklich. Und jetzt, immer noch erkältet, wünsche ich mir zurück, einfach wieder richtig riechen zu können… geht es noch jemandem so wie mir?

Sorry

dass ich im Moment nichts schreibe. Ich lag jetzt 3 Tage dar-nieder mit einer schweren Erkältung. Schnupfen, Halsschmerzen, Husten, Erbrechen und Fieber, war alles dabei. Mein freier Sonntag ging dabei drauf und ich musste noch zwei weitere Tage fehlen. Zum Glück gibt es im Hotel jetzt fähige Leute, die mich ersetzen können. Und zum Glück habe ich Freunde, die mir in der Not helfen. Das ist für eine alleinerziehende Mutter beruhigend zu wissen. Und manchmal ist es überraschend, aus welcher Ecke die Hilfe angeboten wird.

Ärgerlich nur, dass ich jetzt wieder bei Null anfangen muss. Ich wollte einen neuen Rekord aufstellen. Meine 5 Jahre ohne Erkältung toppen, das war von 30 bis 35, wirklich wahr. Und nun hatte ich schon 1 Jahr und zwei Monate. Im Mai 2009 hatte ich meine letzte Erkältung, und jetzt, statt im Winter, mitten im Sommer. Zu blöd, aber nicht zu ändern. Und interessant ist, dass ich irgendwie energiegeladen daraus hervorgehe. Ich fühle mich jetzt, als könnte ich Bäume ausreißen. So habe ich mich vor der Erkältung nicht gefühlt. Da war ich immer nur auf Reserve. Darum auch keine Beiträge in letzter Zeit. Und hey, ich hab ja auch noch ein Privatleben, dessen Fotos ihr im Moment auch nicht zu sehen bekommt, denn ich habe eben auch nur 24 Stunden pro Tag zur Verfügung. Neben der Arbeit und nochmal Arbeit, dem Kind, dem Haushalt, den Haustieren und dem Freund (die Reihenfolge ist jetzt zufällig) habe ich halt auch noch einen Freundeskreis und ab und zu gehen wir auch an den Strand, oder in die Stadt bummeln, was natürlich die Bereiche Kind und Freund und Freundeskreis berührt, da fällt mir Mathe ein, wie hieß das nochmal, wenn zwei Kreise sich überschneiden, ach ich hab wirklich nix behalten aus der Schule, wofür war die nochmal gut?

Na gut, ich denke, ihr habt kapiert, was ich damit sagen will – ich hab euch jedenfalls nicht vergessen und meinen Blog vermisse ich auch – bzw. das Schreiben dafür.

Déjà vu-Tag

Gestern Morgen wurde es gleich ernst, kaum dass ich in die Rezeption gestolpert war; zum Glück hatte ich bereits gefrühstückt und war gestärkt für alles, was auf mich zukommen sollte.

Eine junge Norwegerin kam weinend zu mir, ob es denn hier ein Krankenhaus gäbe und wie groß es wäre. Um keine Zeit mit überflüssigen Erklärungen zu der Größe und den Möglichkeiten unseres Krankenhauses zu verschwenden kam ich gleich zum Punkt, fragte sie, was denn los wäre und entschied dann, dass ein Krankenwagen geholt werden müsse, nachdem ich mit meinen Kolleginnen einig geworden war, dass wir die Schwester, die mit Verdacht auf Blinddarm (Laien-Eindruck) zitternd und frierend im Bett lag, unmöglich selbst transportieren könnten, auch wenn es nur 400 Meter sind.

Ich hatte natürlich unser Feuer letztes Jahr in Erinnerung, wo der Krankenwagen, obwohl es damals wirklich ernst war, erst nach ca. 1,5 Stunden, viel zu spät wohlgemerkt, eintraf.

Also rief ich das Krankenhaus an und bekam die Instruktion, die Nummer 60029 anzurufen. Was ich auch tat, mit und ohne Vorwahl und für den Fall, dass ich den guten Mann missverstanden hatte, probierte ich auch die Version 629, ebenfalls mit oder ohne Vorwahl. Ich bekam allerdings keinen Krankenwagen. Ich rief ihn wieder an, worauf er mir meine bereits ausprobierten Versionen vorschlug. Diese hätte ich bereits ausprobiert, sagte ich, also bat er mich, ihn doch bitte in einer Minute nochmal anzurufen.

Eine Minute kann lang sein. Nach der Minute rief ich also nochmals an und er sagte, er würde mich verbinden. Als sich nach 3 Minuten in der Leitung wiederum gar nichts tat, legte ich auf und rief nochmals an. Darauf sagte er mir, ich möge doch bitte die Nummer 22843.60000 anrufen. Da tat sich sogar tatsächlich was und unglaublich schnell war sogar der Krankenwagen da.

Später meinte ich, schon wieder ein Déjà vu zu haben, als die Französin wieder durch die Tür marschierte, die mich doch neulich mit ihrem Finger im Ohr so beglückt hatte und die ich fast zum Tierarzt gefahren hätte. Das Problem scheint inzwischen bereinigt – oder das Ohr gereinigt? – zu sein, da ihr Finger diesmal tatsächlich nicht einmal zum Ohr wanderte. Ich habe 5 Tage Zeit, um das zu überprüfen, da sie bis Donnerstag zu bleiben vorhat.

Und als ich später die Sanitäterin vom Krankenwagen im Gemüseladen traf, bekam ich die Diagnose und weiteren Entwicklungen brühwarm aufgetischt – das Mädel würde mit Verdacht auf Blinddarm nach Syros ins Krankenhaus transportiert, aber wahrscheinlich könnte man das Problem ohne OP mit Antibiotika in den Griff bekommen. Wobei ich dachte – ist das nicht eigentlich “vertraulich”, oder gehöre ich zum Kreis der Auserwählten, weil ich den Krankenwagen gerufen habe?

Na ja. Jedenfalls wisst ihr jetzt den Grund, warum ich hier auf Paros niemals eine Gruppentherapie machen würde. Da sitzt man dann womöglich seinem Bankberater, dem Gemüsehändler und der Friseurin gegenüber – und dann?!

Ich wünsche euch auf jeden Fall für heute einen schönen Tag, wir werden uns gleich zum Strand verabschieden. Wer es sich antun muss, der schaue ruhig Fußball – ich als Deutschengländerin kann ja nur gewinnen!

Eine Wolke am Himmel

Heute war ein unspektakulärer Tag, aber daran wollte ich euch doch auch mal teilhaben lassen. Und bevor mich die Mücken auf meiner schön kühlen Terrasse auffressen, weil ich zu faul war, mich von oben bis unten mit Autan einzusprühen, inklusive Gesicht und Haare, bring ich das hier auch schnell zu Ende, bevor ich überhaupt richtig angefangen habe.

Erst musste ich besorgte Kunden zum Wetter beruhigen, ich meine, ist ja auch klar, dass man sich bei 26°C um 8h morgens und einer Wolke am Himmel Sorgen macht, dass das Wetter schlecht wird.

Um halb 9 kam eine neue Putzfrau, äh ihr wisst schon, ihr ersetzt das einfach mit dem politisch korrekten entsprechenden Wort, nachdem wir die andere neue, Bulgarin, nach 3 Tagen wieder gehen lassen mussten, weil sie außer hübsch aussehen und rauchen nichts schaffte. Die neue, Russin, mongolisch aussehend mit rundem Gesicht und bösen schwarzen Augen, durchbohrte mich gleich mit ihren Blicken und wollte eigentlich nur mit dem Chef persönlich sprechen und nicht mit mir, aber so früh ist er nicht anzutreffen. Also schickte ich sie hoch zu den anderen, damit sie angelernt werden konnte, aber sie war kaum 5 Minuten da, da hatten wir auch schon den ersten hysterischen Anfall, der gleich das ganze Hotel weckte, so dass ich praktischerweise die Checkouts schnell hinter mich bringen konnte. Den Rest des Tages sah sie mich missmutig an und die anderen Putzfrauen zuckten immer nur mit den Schultern und grinsten, wenn sie mich sahen.

Wenn Blicke töten könnten, dann wäre ich heute nicht mehr hier, und wenn sie gestern schon da gewesen wäre, hätte ich gedacht, mein Nasenbluten kam vom “bösen Blick”. Aber das war gestern, als ich mit Kopf im Nacken und Eiswürfeln auf der Nase durch die Flure lief und versuchte, trotzdem meinem Job nachzugehen. Mal sehen, wie die Geschichte (morgen) mit der guten Dame weiter geht. Ich könnte ja allein schon mit meinen Erfahrungen mit Putzfrauen Bände füllen.

Dank dem frühen Wecken unserer Gäste hatte ich dann aber Zeit, als alte Bekannte, die schon seit Jahren nach Paros kommen, mich besuchten, so dass ich mit ihnen gemütlich Kaffee trinken konnte. Meinen Chef, der kein Problem damit hat, dass ich auch mal rumsitze und nichts tue, kannten sie schon aus dem Fernsehen und grüßten ihn wie einen alten Bekannten.

Das Wetter wurde übrigens wunderbar, die Wolke verzog sich und es wehte eine angenehm kühle Brise.

Läuse oder Mäuse?

Nun habe ich euch schon wieder mehrere Tage auf dem Trockenen gelassen und gar nicht mehr von meinen gesammelten Verrückten berichtet, die regelmäßig durch meine Rezeption wandern. Wie haltet ihr das nur aus?

Ich weiß nur, dass ich es nicht lange aushalte, wenn ich nicht zwischendurch mal etwas los werden kann. Und nachdem eine gute Frau (Französin) heute geschlagene 5 Minuten angestrengt in ihrem Ohr pulte, während sie mit mir sprach, erinnerte ich mich an den guten Mann von vorgestern, der auch durchaus erwähnenswert ist. Der entdeckte nämlich Läuse in seinem Bett, aber ich schätze, er ist auch nah dran, wie ich, Mäuse zu sehen.

Eine schwule Diva, jung, schwarz – hübsch kann ich nicht beurteilen, ich bevorzuge eher blond -, hat in einem so gut wie noch nicht genutzten Zimmer auf der neuen Matratze tote Tiere entdeckt und ich kann froh sein, dass er in meiner Rezeption keine Panikattacke erlitt. Stellt euch nur vor, ich hätte auch noch den Krankenwagen rufen müssen, der eh ne Stunde braucht, da hätte ich gar nicht gewusst, wohin so lange mit dem hysterischen Menschen und seinen toten Läusen. Äh Tieren. (”Da, da sind tote Tiere!!!”) Die übrigens auch nach genauerem Hinsehen meinerseits nicht zu entdecken waren, und ich denke, ein Sandkörnchen oder zwei in der Ritze der nietnagelneuen Matratze unter der Bettwäsche kann man der Putzfrau durchaus nachsehen.

Nachdem das diesen gebeutelten Mann und seinen Partner begleitende Pärchen (deutsch, älter, aber ich weiß nicht, in welchem Verhältnis zueinander standen) eine geschlagene Stunde in der Rezeption saß, während die Diva sich eine neue Bleibe suchte, fiel der Dame mit perfekt sitzendem Haar ein, ob wir denn einen Fön auf dem Zimmer hätten. Das alles für nen Appel und nen Ei wohlgemerkt, und nein, Fön bieten wir nicht an, das gibt es in besseren Hotels, für die man auch mehr zahlen muss. Da das für sie ein großes Problem darstellte, legte ich der guten Frau nahe, doch zusammen mit ihrer Begleitung einfach ganz unproblematisch ihren Ausweis zurückzunehmen und sich ebenfalls ein neues Zimmer zu suchen. Ich wünschte ihnen trotzdem einen schönen Urlaub, denn bei der Gesellschaft war mir auch klar, warum alle so schlecht gelaunt aussahen.

Aber zurück zu der guten Frau von heute, ich konnte mich grad noch beherrschen, ihr anzubieten, sie zu meinem Tierarzt zu fahren, der regelmäßig Sachen aus dem Ohr meines Hundes pulen muss und darin sehr erfahren und gut ist. Mit Narkose, das wäre in diesem Fall sicher auch nötig gewesen.

Und gleich habe ich Feierabend, nein Feiermittag, wie Lydia meint, dass es doch heißen müsse, und wünsche euch alles Liebe!

Spanisches Omelette

Das gestrige Kreischen im Flur klingt mir noch im Ohr, als ich heute Morgen ins Hotel komme, in gespannter Erwartung, was mich denn heute wieder erwartet. Die Brasilianerin von gestern konnte sich wohl nicht vorstellen, dass auch eine Rezeptionistin mal nicht an ihrem Platz ist, sondern im Hotel rum rennt (Gäste zu ihrem Zimmer bringt zum Beispiel). Als ich also nach 10 Sekunden nicht auftauchte – ich hörte sie wohl, war ja nicht weit – fing sie an, den Flur rauf und runter zu rennen und hysterisch, fand ich zumindest, “Anybody heeeeeeeeeeeeeeeeeeeere???????” zu kreischen. Ganz davon abgesehen waren sie und ihre 3 Begleiterinnen alles andere als die Höflichkeit in Person. Ich weiß also jetzt schon, ich habe 2 Tage lang Gewehr bei Fuß zu stehen. Wie gut, dass ich nachmittags hier raus komme und keiner meine Handynummer weiß.

Eine kurze Begegnung mit fünf Spanierinnen reicht mir, kurz nach meinem Eintreffen, um mein in den letzten 13 Jahren gebildetes Vorurteil zu bestätigen, dass spanisch- und portugiesischsprechende Menschen etwas ungeschliffen sind, ganz höflich ausgedrückt.

Zwischendurch beantworte ich mal eine Email, in der ich um die Telefonnummer des Klosters Longovardas gebeten werde. Keine Anfrage ist mir zu fremd, ich bin brav und beantworte alles.

Apropos fremd. Eine mittelalte Dame mit krausem Haar, Nationalität unbekannt, gut ich könnte nachschauen, bin aber jetzt zu faul, fragt mich, ob der ansässige Friseur wohl ihre Haare glätten würde. Selbstverständlich würden sie das, beantworte ich, nur um meine Meinung zu den Haarglättern, die man im Supermarkt kaufen kann, gebeten zu werden. Einen Moment der Ungläubigkeit muss ich überwinden, bevor ich antworte, dass ich darüber wirklich keine Auskunft geben kann, denn ich benütze so etwas nicht. Womit sie ihre Brille absetzt, prüfend meinen Kopf anschaut und sagt: “Wie machen Sie denn Ihre Haare?”. Ich sage, mit gar nichts. “Sie Glückliche”, sagt sie, “haben Sie glatte Haare?”. Offenbar kommt sie aus einem Land, in dem die Menschen vornehmlich krause Haare haben und kann sich nicht vorstellen, dass es auch anders geht. Ich selbst finde es ja nicht so außergewöhnlich.

Kurz darauf bin ich gerade dabei, einem Pärchen zu erklären, wo die schönsten Strände sind, als ich von der Seite mit “Coffee!” angesprochen werde. Als ich nicht sofort reagiere, sondern denke, dass ich mir durchaus erlauben kann, den gerade begonnenen Satz zu beenden, höre ich noch lauter “COFFEE!!!”. Irritiert schauen wir drei zur Seite und ich frage die, siehe oben, Brasilianerin, was sie denn meint, worauf ich wieder nur “Coffee!” zu hören kriege, obwohl ich ja seit gestern weiß, dass sie der englischen Sprache mächtig ist. Irgendwie macht sie mir dann verständlich, dass sie wissen möchte, bis wann es denn Kaffee gibt, und ich sage, in der Cafeteria könne sie den ganzen Tag Kaffee bekommen. Denke nicht weiter darüber nach, bis ich später in die Cafeteria gerufen werde, wo sich die vier nun gegen Mittag hingepflanzt haben und steif und fest behaupten, es gäbe den ganzen Tag Frühstück. Die oben genannte Frau sagt beleidigt, ich hätte doch gesagt, es gäbe den ganzen Tag Frühstück; mir wird alles klar und ich beginne zu erklären, dass sie ja nach Kaffee gefragt hätte und es auch noch lange nach Ende der Frühstückszeit gewesen wäre. Zum Glück signalisiert mir die Barfrau schnell, dass sie ja so nett sei und Frühstück machen würde, auch jetzt noch, so dass ich nicht länger mit dem Unmut dieser Damen kämpfen muss.

Jetzt war grad jemand hier, der mit türkischer Lira bezahlen wollte, entweder er wusste nicht mehr, in welchem Land er sich befindet, oder was weiß ich. Und ein Anrufer wollte gerade ein bestimmtes Lied bestellen – ich habe ihm gesagt, wir sind nicht das Radio, sondern ein Hotel (wobei, Letzteres könnte man auch anders nennen…).

Ich finde jedenfalls, dass ich für heute wieder genug geleistet habe. Und gehe nach Hause und mache mir spanisches Omelette, mit ein paar Brasilianern und Griechen dazu.

PS – ich vergaß, die Holländerin zu erwähnen, die nicht verstehen kann, warum ihre holländische Tageszeitung hier erst um 12 zu kaufen geht!